2003 Rover CityRover

ROVER CityRover

Ein kleiner ROVER aus Indien

2003 - 2005

Der CityRover - basierend auf dem TATA Indica aus Indien - soll das Programm nach unten abrunden. Trotz aller Schwierigkeiten findet der Kleinwagen eine kleine Fangemeinde.

CityRover Logo

Logo und Schriftzug des CityRover auf dem Prospekt und an der Wagenfront

CityRover Logo

Zwei Gesichtpunkte sind bei der Betrachtung des 'CityRover' von großer Bedeutung. Erstens brauchte man dringend einen Nachfolger für die Baureihe ROVER 'Metro/100', der die Kundschaft noch nachtrauerte, seit er 1997 aus der Produktion ging. Und zweitens war für die Neuentwicklung eines Nachfolgers kein Geld vorhanden.

Man suchte in aller Welt nach einem Kooperationspartner, der die schmerzliche Lücke schließen konnte. Man kam mit verschiedenen Herstellern in Kontakt, darunter auch mit Fiat. Die Entscheidung fiel 2002 für 'Tata' in Indien, die mit ihrem 'Indica' einen ansprechenden Kleinwagen aufgelegt hatten, der seit 1998 (Version 1 mit vielen Mängeln) bzw. 2001 (verbesserte, erfolgreiche Version 2) auf den Straßen fuhr. Das Designteam von MG ROVER gestaltete vordere und hintere Stoßfänger neu, entwarf einen neuen Kühlergrill und legte Hand an den Innenraum. Das Fahrzeug wurde zwei Zentimeter tiefer gelegt. Mit der Karosserie, die von I.DE.A in Italien gestaltet worden war, konnte man angesichts der damaligen Konkurrenz zufrieden sein. Fünf Türen, ein langer Radstand und die vergleichsweise große Höhe versprachen einen geräumigen Kleinwagen, ideal für die Stadt und das nähere Umland. Bezüglich des Motors entschied man sich für eine 1,4-Liter Maschine aus dem Hause Peugeot/Citroen, um beim CO2-Ausstoß halbwegs auf der sicheren Seite zu sein.

Der Wagen sollte nach der Einigung zwischen 'Phoenix' und 'Tata' komplett bei 'Tata' gefertigt werden. Man richtete zu diesem Zweck eine Produktion in Pune bei Mumbai ein. Die Produktion sollte im September 2003 beginnen. MG ROVER rechnete seinerzeit mit jährlich 40 bis 60.000 Fahrzeugen. Wie man kolportiert, waren die ersten gelieferten Fahrzeuge von nicht gerade berauschender Qualität. Möglicherweise ein Grund, warum der Presse keine Vorserienfahrzeuge zum Testen zur Verfügung gestellt wurden.

Derweil warteten die ROVER-Händler dringend auf das Modell, das ihnen schon lange mündlich angekündigt war. Mit den vorhandenen Fahrzeugen konnten sie keine größeren Verkaufszahlen generieren. Für das neue "Volumenmodell" hatte man ihnen einen Verkaufspreis von £4995 in Aussicht gestellt. Die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Im November 2003 wurde der 'CityRover' - jetzt hatte er diesen Namen nach langen Überlegungen - vorgestellt. Für das Basismodell wurden £6,445, für das Spitzenmodell £8,495 aufgerufen. Dazu kam, dass für den Wagen keinerlei Werbung oder Promotion gemacht wurde. Und bei diesen Preisen stand eine ganz andere Konkurrenz ins Haus als dies beim avisierten Preis der Fall gewesen wäre.

Woran lag nun das Dilemma? Der Vertrag wurde zwischen 'Tata' und 'Phoenix' geschlossen. In der britischen Presse spricht man über einen ab-Werk-Preis von £900 bis £1600 für 'Phoenix'. MG ROVER mußte den Wagen - hier sind sich die Quellen nicht ganz einig - für £3000 bis £4500 bei 'Phoenix' kaufen. Und der Marketing-Chef von MG ROVER, Kevin Howe, gab den Händlern die zuvor genannten Verkaufspreise vor. Anläßlich einer Händlerversammlung meinte er dazu: "Jeder, der den CityRover nicht zu diesen Preisen verkaufen kann, ist ein Arschloch".

Die Ironie an der ganzen Geschichte: MG ROVER gab für 2005 zahlreiche Änderungem am CityRover vor, so dass ein "Mark II" für Mitte 2005 avisiert wurde. Die Insolvenz am 8. April 2005 kam dazwischen. Doch konnte der Händler 'Motorpoint' 900 "Mark II" ankaufen. Er bot sie zu Preisen zwischen £3999 und £5000 an - und sie gingen weg "wie geschnitten Brot". Und, wenn man den Leserbriefen vertraut, waren die Käufer dieser Modelle sehr zufrieden.

2005 sollte der CityRover auch auf das kontinentale Europa, darunter Deutschland, geliefert werden. Wie bekannt, wurde daraus nichts mehr. Der "Mark II" mit der verbesserten Ausstettung, höherer Fertigungsqualität und den nachgepflegten Fahreigenschaften vielleicht eine Chance gehabt - vorausgesetzt, der Preis hätte gestimmt. Schließlich hatte auch Dacia den Markt der preiswerten Fahrzeuge betreten, und zwar erfolgreich.

Verkaufszahlen des CityRover
Alle Versionen2003200420052006
Gesamt: 9.2184876.1501.636945

Quellen
Broschüre 2004 Broschüre "CityRover"
Publication Number 6197
2004

Die Tata-Gruppe ist ein Konglomerat aus 98 Firmen, die insgesamt 660.000 Mitarbeiter beschäftigt und in 85 Ländern vertreten ist.
Die Anfänge gehen auf das Jahr 1870 zurück. Kontinuierlich wuchs der Mischkonzern, zu dem heute Stahlfirmen, Energieerzeuger, Telekommunikations-Unternehmen, Pharma-Firmen, Software-Häuser, Hotels, Touristik-Unternehmen und alle dazu erforderlichen Dienstleistungen gehören. Unter ‘Tata Motors’ finden sich auch Land Rover und Jaguar.

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